Rendezvous in der Mitte Deutschlands

Mitte September kam es zu einem besonderen Treffen der Partnerstädte Lauingen (Donau) und Berlin Marzahn-Hellersdorf. 31 Teilnehmer aus beiden Städten trafen sich in der Mitte Deutschlands zu einem spannenden Erkundungsprogramm. Unter dem Motto „Erfurt – Rendezvous in der Mitte Deutschlands wurden die Städte Erfurt, Arnstadt, Eisenach und Weimar besucht. Veranstalter dieses erstmals geplanten Veranstaltungsformats war der Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsverein in Zusammenarbeit mit dem Partnerschaftsverein Lauingen.

Von der Thüringer Landeshauptstadt aus wurden Tagesfahrten zu den Stätten gemeinsamer deutscher Geschichte, Wissenschaft und Kultur unternommen, die heute teilweise zum UNESCO-Welterbe gehören. Besuche im ehemaligen größten Konzentrationslager im Deutschen Reich, Buchenwald, der einzigartigen Puppensammlung „Mon plaisir“ in Arnstadt, des „Klassischen Weimar“ mit den Stätten des Bauhauses und der Altstadt von Eisenach mit der Wartburg waren wesentliche Programminhalte.

Treffpunkt am ersten Tag war um 18:00 Uhr der Erfurter Hauptbahnhof. Nach dem ersten Kennenlernen der angereisten Teilnehmer folgte ein Abendspaziergang, um zunächst das Zentrum der Landeshauptstadt von Thüringen kennenzulernen. Höhepunkte waren der Fischmarkt mit Rathaus, die Krämerbrücke und die älteste erhaltene Synagoge. Weiter ging es durch das alte Universitätsviertel mit zahlreichen Fachwerk- und anderen Bürgerhäusern bis zum Domplatz mit dem inzwischen erleuchteten Dom. Alle Teilnehmer waren erstaunt und zugleich fasziniert von der Lebendigkeit und Betriebsamkeit mit voll besuchten Lokalen und fröhlichen Spaziergängern in der kompletten Altstadt.

Am nächsten Tag stand Arnstadt – älteste Stadt Thüringens – auf dem Programm. Start war eine Führung durch das Juwel der Stadt, dem ehrwürdigen Schlossmuseum mit der einzigartigen Puppensammlung „Mon plaisir“, der Geschichte der Residenzfürsten von Arnstadt und der Bachausstellung. Auf den Spuren von Bach ging es durch die Altstadt, mit Besichtigung der Bachkirche, der von Luther besuchten Oberkirche und der größten im romanisch-gotischen Stil erbauten Liebfrauenkirche.

Nächster Höhepunkt: der Besuch von Weimar mit Stadtbesichtigung und Besuch des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald. Der Stadtrundgang am Vormittag umfasste den Herderplatz und die Stadtkirche St. Peter und Paul (auch als Herder Kirche bekannt) mit den Ruhestätten von Johann Gottfried Herder und der Herzogin Anna Amalia. Die Kirche ist berühmt geworden durch das von Lucas Cranach d. Ä. und seinem Sohn geschaffene Altarbild. Weiter ging es zum Stadtschloss, dem Platz der Demokratie mit der Anna Amalia Bibliothek und der Hochschule für Musik FRANZ LISZT, danach zum Marktplatz mit Cranachhaus, Rathaus und dem berühmten Hotel „Elefant“. Nicht fehlen durfte der Frauenplan – hier befindet sich das Wohnhaus von Johann Wolfgang von Goethe (für ihn im Jahre 1709 im Barockstil erbaut), dann ging es durch die Schillerstraße zum Schillerhaus. Die Führung endete am Theaterplatz mit dem Deutschen Nationaltheater. Alle Teilnehmer bedankten sich ausdrücklich und sehr herzlich bei Herrn Uwe Schnärz, der bis hierher als Stadtführer fungierte.

Der Nachmittag war ausgefüllt mit einem Besuch des ehemaligen größten Konzentrationslagers auf deutschem Boden, Buchenwald. Alle waren bewegt, einen düsteren Teil deutscher Geschichte hautnah zu erleben.

Der Tag in Eisenach begann mit einem Stadtrundgang der besonderen Art. Christiane Thomaske, seit ca. 40 Jahren als das Eisenacher Original Tante Frieda bekannt, brachte den Teilnehmerinnen und Teilnehmern der Begegnungsveranstaltung mit viel Humor die Wartburgstadt Eisenach nahe, die auch Geburtsstadt von Johann Sebastian Bach und die Wirkungsstätte Martin Luthers war. Durch das Stadttor ging es in die Altstadt hinein, vorbei an der ältesten Apotheke der Stadt, zum Martin-Luther-Denkmal. Der Rundgang, bei dem sehr viel gelacht wurde, endete am Johann-Sebastian-Bach-Haus, wo die Biografie sowie das Leben und Wirken des großen Komponisten und Thomaskantors Johann Sebastian Bach gezeigt werden. Bei einer Musikvorführung wurden verschiedene Instrumente mit Stücken von Bach vorgestellt.

Nach einem deftigen Mittagessen und frisch gestärkt ging es dann zur Wartburg, wo Martin Luther, nach seiner Entführung, um den Folgen der Vogelfreiheit zu entgehen, als Junker Jörg in einer kleinen Stube das Neue Testament aus dem Lateinischen ins Deutsche übersetzt und damit der deutschen Sprache eine Schrift und eine Rechtschreibung gab. Auch die Heilige Elisabeth, die sich für Arme und Kranke einsetzte, wird auf der Wartburg gewürdigt.

Den Abschluss des Rendezvous in Thüringen bildete natürlich die BUGA Erfurt 2021. Die Bundesgartenschau präsentiert sich auf dem Petersberg, rund um die barocke Stadtbefestigung und im Gartendenkmal egapark, dem schönsten Garten Thüringens. Bunte Blumenfelder, historische Kulissen, leuchtende Farben, jeder spürte: Erfurt feiert die Renaissance der Blumenstadt und zeigt das Gärtnerhandwerk in allen Facetten.

Schließlich ging auch diese Veranstaltung zu Ende. Insbesondere die Gäste aus Bayern nahmen viele positive Eindrücke und Erlebnisse mit.  Alle dankten den anwesenden Verantwortlichen der beiden Städtepartnerschaftsvereine, Kerstin Rocktäschel, Vorsitzende des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsverein, und Hubert Götz, stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Lauingen (Donau), für die Initiative und Durchführung der Begegnungsreise. Sicher auch ein Grund, über weitere derartige Veranstaltungsformate nachzudenken.

Text: Wolfgang Loos, Hubert Götz, Kerstin Rocktäschel

Fotos: Kerstin Rocktäschel