MOSEKA ist angekommen

(Text: Hubert Götz)

Wie sie angekommen ist in Deutschland und nun dort lebt, das schilderte die Kongolesin Liesse Ebengo in mehreren Veranstaltungen im Bezirk Marzahn-Hellersdorf von Berlin mit Lesungen aus ihrem Buch „MOSEKA – Eine Geschichte“. Mit Blick auf ihre Biografie appellierte sie dabei an alle Geflüchteten, die deutsche Sprache zu lernen, die Werte in Deutschland zu tolerieren, nach Möglichkeit eine Berufsausbildung zu machen und vor allem mutig auf Menschen zuzugehen sowie sich gesellschaftlich zu betätigen.

Auf Einladung des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsverein kam Liesse Ebengo, Mitglied des Partnerschaftsverein Lauingen (Donau), nach Berlin, um über ihr Leben im Kongo, ihre Ankunft in Europa nach ihrer Flucht aus der Demokratischen Republik Kongo und über ihre Integration in Deutschland zu sprechen.

Vor dem Stadtteilzentrum Biesdorf. Foto: Hubert Götz

In Zusammenarbeit mit vier Begegnungsstätten im Bezirk Marzahn-Hellersdorf, den Stadtteilzentren Biesdorf und Marzahn-Mitte sowie den interkulturellen Begegnungshäusern „Haus Babylon“ und „Anna Landsberger“ fanden die Veranstaltungen mit dem Titel „Angekommen. Eine Kongolesin in Deutschland“ statt, die aus dem Aktionsfonds „Partnerschaften für Demokratie“ Marzahn und Hellersdorf unterstützt und dabei aus dem Bundesprogramm „Demokratie leben!“ gefördert wurden. Die Stadt Lauingen (Donau) ist seit 1999 mit dem Bezirk Marzahn-Hellersdorf in einer Städtepartnerschaft verbunden. Und so ließ es sich die ehemalige Bezirksbürgermeisterin Dagmar Pohle nicht nehmen und nahm an einer der Veranstaltungen, die im Zusammenwirken mit dem Partnerschaftsverein Lauingen (Donau) organisiert wurden, auch teil.

Im Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte (v. l. n. r.): Horst Löser (Vorstandsmitglied des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins), Cornelia Raschke (Mitglied des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins), Liesse Ebengo, Michael Schütz (Revisioner des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins), Kerstin Rocktäschel (Vorsitzende des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins), Dagmar Pohle (ehemalige Bürgermeisterin des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf), Hubert Götz (Schatzmeister des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins u. stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Lauingen a.d. Donau), Wolfgang Loos (Pressesprecher des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins). Foto: Staddtteilzentrum Marzahn-Mitte

Nach Eröffnung der Veranstaltungen durch die Vorsitzende des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsverein, Kerstin Rocktäschel, und den jeweiligen Verantwortlichen der Begegnungsstätten stellte sich Liesse Ebengo den Zuhörerinnen und Zuhörern vor und gab Einblicke in ihr und das Leben ihrer Familie in Kinshasa, der Hauptstadt der Demokratischen Republik Kongo.

Die Vorsitzende des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins, Kerstin Rocktäschel, mit der Leiterin des Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte, Martina Polizzi. Foto: Stadtteilzentrum Marzahn-Mitte
Die Vorsitzende des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins, Kerstin Rocktäschel, mit der Leiterin des Hauses Babylon, Sarah Shiferaw. Foto: Michael Schütz

Ihre Ankunft in einer Flüchtlingsunterkunft in Dortmund im Jahre 2008 sah sie sehr positiv, so die Vortragende mit der Feststellung, dass sie bisher in Deutschland keinen ausgeprägten Rassismus erlebt habe. „Ich wurde im Flüchtlingsunterkunftszentrum freundlich aufgenommen. Liesse Ebengo: „Diesen Tag im November 2008 vergesse ich nie, denn nun bekam ich Brot, Saft, Wasser und ein Bett“, so ihre ersten Eindrücke von Deutschland. Anfang des Jahres 2009 wurde Liesse Ebengo in eine Gemeinschaftsunterkunft im Landkreis Dillingen a. d. Donau verlegt. „Dort lebte ich einige Zeit mit verschiedenen Menschen unterschiedlichster Kultur und Bildung nicht immer stress- und konfliktfrei zusammen. Ich fühlte mich dennoch stark und positiv, weil ich wusste, was ich wollte und was ich nicht wollte“, erzählte die 47-Jährige den Anwesenden in den jeweiligen Begegnungsstätten und verweist auf ihre Gedanken, die sie in teilweise humorvoller Art in ihrem Buch aufgeschrieben habe. Aber auch Mobbing von einigen Asylbewerber:innen habe sie erfahren, weil sie sich integrieren wollte, stellte die Afrikanerin fest. Denn neben der dauerhaften Aufenthaltserlaubnis, die sie nach einigen Umwegen auch bekam, war für sie wichtig, die deutsche Sprache zu verstehen, eine Wohnung zu finden und einen Beruf zu erlernen, so die Autorin. Sie erzählte weiter, dass sie immer die Nähe zu Deutschen gesucht habe auf ihrem Weg zu einer Wohnung und einer Ausbildung zur Altenpflegerin, ihrem heutigen Beruf. „Und das klappte, weil ich Hilfe von in der Kirche engagierten Leuten bekommen habe und von einer Organisation im Landkreis Dillingen mit dem Namen Jugend + Zukunft, die sich um Menschen ehrenamtlich kümmert, die sich aufmachen, eine Ausbildungsstelle zu erhalten“, betonte die Afrikanerin, die nun seit mehreren Jahren examinierte Altenpflegerin ist und in einem kirchlich geführten Altenheim in Dillingen a. d. Donau arbeitet.

Liesse Ebengo berichtet über sich, ihr Leben in ihrem Heimatland, der Demokratischen Republik Kongo und über ihr Leben nach der Flucht in Deutschland. Foto: Michael Schütz

Nach diesen Ausführungen, die immer wieder auch durch Fragen aus dem Publikum konstruktiv unterbrochen wurde, las Hubert Götz vom Partnerschaftsverein Lauingen (Donau) aus dem Buch „MOSEKA – Eine Geschichte“ zwei Abschnitte von Ereignissen aus einem Asylbewerberheim im Landkreis Dillingen a. d. Donau vor. Auf eine Frage, weshalb Liesse Ebengo ein Buch geschrieben habe, antwortete sie, dass sie von Kindesbeinen an gerne Notizen machte. Auch wäre ein weiteres Buch von Moseka (auf deutsch „Fräulein“) bereits „in Arbeit“, ergänzte die Autorin schmunzelnd.

  

Hubert Götz liest aus dem Buch „Moseka – Eine Geschichte“ von Liesse Ebengo.
Foto: Horst Löser

Mit zahlreichen Bildern von ihrer Familie und Eindrücken von Gewohnheiten des Lebens im Kongo, wie Schulbesuch, Essgewohnheiten, Feiern und Musikveranstaltungen mit Papa Wemba wurden danach die jeweiligen Veranstaltungen fortgeführt. Beeindruckend war für viele Zuhörerinnen und Zuhörern dabei für sie unbekannte Gepflogenheiten, wie beispielsweise das „Sapeurwesen“. Liesse Ebengo klärte auf, dass ein Sapeur ein Mensch sei, der eine schicke Kleidung trägt, obwohl sein ärmlicher Lebensumstand dies eigentlich nicht zulässt. Viele Leute im Kongo gehören quasi dieser „Religion“ an, die in der Zeit der Regentschaft des ehemaligen Präsidenten Joseph Mobuto als eine Art Widerstandsbewegung entstand und von dem Künstler und Musiker Papa Wemba weitergeführt wurde. Und Papa Wemba wurde auch bei den jungen wie älteren Teilnehmerinnen und Teilnehmern wahrgenommen: Sie bekamen abschließend afrikanische Musik aus dem Kongo zu hören, bei der ab und an auch ein Tänzchen mit Liesse Ebengo gewagt wurde.

Kerstin Rocktäschel und Liesse Ebengo bei einem Tänzchen zu den Klängen von Papa Wembo. Foto: Michael Schütz.
Die Gäste lauschen angespannt und interessiert den Worten von Liesse Ebengo und stellen viele Fragen.

Ein Zuhörer von insgesamt rund achtzig Teilnehmerinnen und Teilnehmern brachte es zum Event-Schluss auf den Punkt: „Eine tolle Veranstaltung mit Blick auf die Integration. Die Dame ist sehr taff und schlau.“

Von links nach rechts: Kerstin Rocktäschel (Vorsitzende des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins), Liesse Ebengo, Vanessa Krah (Beauftragte für Queer, Städtepartnerschaften und freiwilliges Engagement des Bezirkes Marzahn-Hellersdorf), Hubert Götz (Schatzmeister des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins und stellvertretender Vorsitzender des Partnerschaftsvereins Lauingen a.d. Donau), Jelena Vukmanović (Mitarbeiterin der „Roter Baum Berlin“ UG).