Kolpingsfamilie in Biesdorf

Klaus Tessmann: Städtepartnerschaft der Biesdorfer und der Lauinger Kolpingfamilie, was ist eigentlich eine Kolpingfamilie?

Das Kolpings-Werk ist der größte Sozialverband innerhalb der Katholischen Kirche. Seit einem viertel Jahrhundert gibt es die Kolpingsfamilie in Biesdorf, die zur Kirche „Maria, Königin des Friedens“ gehört.
Der Vorsitzende der Kolpingsfamilie Ewald Dittrich berichtet, dass diese Bewegung zurückgeht auf den Pfarrer Adolf Kolping. Er hat vor 160 Jahren diese Bewegung ins Leben gerufen, um Gesellen, die auf Wanderschaft waren, aufzufangen, ihnen eine Unterkunft und weitere Ausbildung zu geben. Kolping war selbst Schustergeselle, bevor er später Theologie studiert und die Priesterweihe bekam. Interessant an der Geschichte ist, so meinte Dittrich, dass Kolping auch mit Karl Marx befreundet gewesen ist, bevor sie in einen ideologischen Streit gerieten.
„Kolping hat als Geselle angefangen, ist selbst auf Wanderschaft gegangen“, berichtete Ewald Dittrich. Aus seinen Erfahrungen heraus hat er die Kolpingsheime und Bildungseinrichtungen gegründet. Dieser Tradition fühlt sich auch die Biesdorfer Kolpingsfamilie verpflichtet.

Vor 25 Jahren – am 24. April 1982 – wurde in Biesdorf die Kolpingsfamilie gegründet. „Unsere Familie gab es auch zu DDR-Zeiten, wir durften innerhalb der Katholischen Kirche arbeiten“, erzählt Ewald Dittrich, der damals zu den Gründern gehörte. Es sind viele Menschen aus anderen Berliner Bezirken ins Neubaugebiet gezogen. Dittrich selbst kam aus dem Prenzlauer Berg. Mehrer Kolpingsbrüder, die aus anderen Bezirken nach Marzahn gekommen waren, trafen sich bereits im Oktober 1980 zu einem ersten Gespräch. Ein Jahr später fanden die ersten Kolpingsabende statt. Am 24. April 1982 fand dann der Festgottesdienst zur Gründung der Kolpingsfamilie statt.
„Zu Beginn waren es 22 Mitglieder“, erinnert sich Ewald Dittrich. Zeitweilig wuchs die Mitgliederzahl auf 46, jetzt sind es nur noch 25. Heute ist die Kolpingsfamilie kein reiner Männerbund mehr, vor 30 Jahren wurden die ersten Frauen aufgenommen. Sie beschäftigen sich auch nicht mehr nur mit den Handwerkern, sondern Ärzte, Rechtsanwälte sind heute Mitglied einer Kolpingsfamilie. Im Berliner Raum hat es die Bewegung schwer, da die Katholische Kirche hier nicht so weit verbreitet ist, wie in anderen Teilen Deutschlands. „In den alten Bundesländern ist es üblich, dass die Kinder mit in die Arbeit hineinwachsen“, erläutert Dittrich. „Auch heute noch steht das Bildungswerk im Mittelpunkt“, erklärt Ewald Dittrich. So unterstützt die Biesdorfer Kolpingsfamilie ein Bildungsprojekt in Lamego – einer Ortschaft in Portugal. „Es ist eine Bildungsstätte, in der Handwerker und Gaststättenpersonal ausgebildet werden.“ Dort arbeitet seit vielen Jahren die Koplpingsschwester Margitta, die aus Pasewalk zuerst nach Mocambique und später nach Portugal ging. „Dort achten die Ausbilder darauf, dass die Kinder regelmäßig zur Schule gehen“, erklärt Dittrich. „Wir haben das Dorf unterstützt, damit sie eine Wasserleitung bauen konnten und Licht.“

Aber auch innerhalb der Gemeinde wird die Kolpingsfamilie aktiv. Handwerkliche Arbeiten sind ihre selbst gestellte Aufgabe. Seit 12 Jahren beteiligt sich die Kolpingsjugend an einem Projekt in der KZ-Gedenkstätte in Ravensbrück. „Die Jugendlichen haben Häuser instand gesetzt, Anlagen gepflegt und Ausstellungen in der KZ-Gedenkstätte vorbereitet.“ In diesem Jahr will die Kolpingsfamilie auch die älteren Mitglieder einbeziehen. „Die Erwachsenen können dort Büroarbeiten erledigen, im Archiv arbeiten oder Ausstellungen mit vorbereiten“, berichtet Ewald Dittrich über neue Vorhaben.
Über das Programm der Kolpingsfamilie informiert die Katholische Kirche „Maria, Königin des Friedens“ in der Oberfeldstraße. Interessenten können sich auch bei Ewald Dittrich melden, Telefon: 54 37 92 85