Gymnasiasten aus Marzahn-Hellersdorf in Tychy

Aus dem „Berliner Abendblatt“ vom 16. Juli 2003

Nachricht: „So unterschiedlich sind Polen und Deutsche gar nicht.“

Selbst wenn die Reise der Gymnasiasten aus der Sartre-Oberschule nach Tychy nichts weiter als diese Erkenntnis gebracht hätte, hätte sie sich bereits gelohnt. Eine Woche lang hatten sich die jungen Leute in Marzahn-Hellersdorfs Partnerstadt aufgehalten, Gleichaltrige des dortigen Lyzeums „Leon Kruczkowski“ getroffen und erfuhren dabei so manch Überraschendes.

„Mit der Begegnung und den täglich enger werdenden Kontakten wurden Denk- und Sprachbarrieren überwunden und bei Erfahrungsaustausch, Sport, Action und Fun ausschließlich Gemeinsamkeiten entdeckt“, berichtet Hans-Jörg Muhs von der urban-social gGmbH, dem Organisator der Reise.
Im Vorfeld hatten die jungen Marzahn-Hellersdorfer einen Fragebogen des Deutsch-Polnischen Jugendwerkes, einem weiteren Förderer des Unternehmens, ausgefüllt. Dabei offenbarten sich durchaus Vorurteile gegenüber Polen und auch einige Unkenntnis über das Nachbarland.
Fast durchgehend befanden die Befragten, dass sie verglichen mit polnischen Jugendlichen „einfach besser informiert sind, freier leben und moderner und cooler drauf seien“. Auf den Feldern Jugendkultur, Mode, Medienumgang, Computer- und Internetnutzung, Lebensauffassung und einigem anderen mehr hielten sich die deutschen Jugendlichen im Vergleich mit ihren polnischen Alterskameraden für kompetenter. Nur was das Wissen über Europa und das jeweils andere Land betrifft, vermuteten sie das höhere Niveau in Polen.

„Heute, so die Jugendlichen aus Marzahn-Hellersdorf, würden wir die Fragen anders beantworten. Es gibt sie so nicht, die vermuteten Unterschiede im Denken, Fühlen und Sein“, konstatiert Muhs. Die Reise soll übrigens den Grundstein zu einer Schulpartnerschaft zwischen Gymnasium und Lyzeum legen.
Bereits im August wird in Kaulsdorf der Gegenbesuch aus Tychy erwartet. Dort nahmen die Jugendlichen auch die Gelegenheit wahr, die Zeugen der Geschichte zu besichtigen. Nachhaltigen Eindruck machte auf sie der gemeinsame Besuch mit ihren Gastgebern im ehemaligen Konzentrationslager Auschwitz und dessen Außenstelle Birkenau. Im ehrenden Gedenken an die Opfer wurde auch ein Kranz niedergelegt.

PS: Lesen sie dazu auch den Bericht „Mit Jugendbegegnungen Vorurteile überwinden“ von Hans-Jörg Muhs, urban-social gGmbH