„Gemeinsam statt einsam. Europäisches Jahr der Chancengleichheit für alle“

Die Deutsch-Polnische Jugendbegegnung „Gemeinsam statt einsam. Europäisches Jahr der Chancengleichheit für alle“ war lange vorbereitet und geplant.

Der Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt Marzahn-Hellersdorf begab sich, in Partnerschaft mit der urban-social gGmbH, auf ein Stück Neuland: einen Austausch mit mental behinderten Jugendlichen aus den Partnerstädten Marzahn-Hellersdorf, Tychy und Lauingen.

Verbündete für diese, durch den Kreisverband der Arbeiterwohlfahrt beim Deutsch-Polnischen Jugendwerk eingereichte Jugendbegegnung, fanden sich in den rührigen auswärtigen Organisatoren der Partnerschaftsarbeit, Hubert Götz (Dillingen/Lauingen) und Ruta Seidel (Tychy). Sie holten dann auch die, für die Vorbereitung und Durchführung der Begegnung wichtigen Einrichtungen „vor Ort“, die Regens-Wagner-Schule Dillingen und die Stadtverwaltung sowie das Zentrum „die Heilige Faustyna“, Werkstatt der Beschäftigungs-therapie, Tychy, ins Boot.

So konnten bereits während eines Besuchs des Zentrums „die Heilige Faustyna“ im August, an der, neben Mitarbeitern der urban-social gGmbH auch Hubert Götz, teilnahm, aber auch im Verlaufe der Multiplikatorenbegegnung im Haus „Pro-social“ im September diesen Jahres, zu der, zusammen mit Ruta Seidel gleichsam verantwortliche Mitarbeiterinnen der Stadtverwaltung Tychy kamen, wichtige Einzelheiten der bevorstehenden Begegnung diskutiert und entsprechende Voraussetzungen geschaffen werden.

Die Deutsch-Polnische Jugendbegegnung mit mental behinderten Jugendlichen aus Marzahn-Hellersdorf, Tychy und Dillingen/Lauingen fand in der Zeit vom 05. bis 15. November 2007 statt und wurde seinem Anliegen, dass in der Zielstellung im Motto verkürzt „Gemeinsam statt Einsam“ genannt wurde, vollauf gerecht.

Die Mädchen und Jungen erlebten Freundschaft und Zuwendung, entdeckten gemeinsam Berlin und unseren Bezirk, hatten Spaß und Freude in Spiel und Aktion, knüpften Kontakte zum/r jeweils Anderen, erprobten sich in einem Kunstprojekt, trainierten sich im Teakwondo, trafen sich zum gestalteten Nachmittag im Verein „Mittendrin“ und zu abendlichen Discos.

Zu einem besonderen Höhepunkt gestaltete sich der Besuch des Reichstages mit einem Treffen des Vorsitzenden des Berliner Behindertenverbandes, dem MdB Ilja Seifert. Hier ergab sich die intensiv genutzte Möglichkeit, lockerer und ungezwungen in ungewohnter Umgebung, „per Mikro und Knopfdruck“ über Fragen zu diskutieren, die das eigene Lebensumfeld, die Probleme des Schul- und Werkstattalltages und die Erfahrungen im gesellschaftlichen Leben betreffen oder einfach nur für Statements und Zwischenrufe.

Die Anwesenden aus Tychy, Dillingen/Lauingen und Marzahn-Hellersdorf, aber auch das Mitglied des Deutschen Bundestages, Ilja Seifert, nahmen sehr viele Impulse und neue Energie für Ideen und Überlegungen mit.

Ganz besonders interessant erwies sich letztlich auch die Frage des agilen Betreuers der Gruppe aus Dillingen an die jungen Teilnehmer/innen aus Deutschland und Polen, welche Veränderungen sie herbeiführen würden, wären sie für einen Tag „Chef“ ihrer Länder.

Bei genauem Hinschauen und Nachdenken, offenbaren sich die Mädchen und Jungen gerade auch zu dieser Frage dann in ihren Darstellungsinhalten und -formen im Kunstprojekt. Sie nehmen die Probleme ihres, unseres Lebensumfeldes bewusst wahr und analysieren sie auf ihre einfache und konkrete Art. Insbesondere auch während des Kunstprojektes erwiesen sich die Jugendlichen als ausgesprochen kreativ.
Sie partizipierten von einem ausgewogenen Begegnungsprogramm und von Freunden, auf die sie bauen, sich verlassen konnten.

Stolz gaben sich die jungen Leute allemal bei der Anwendung verschiedener Wörter in der Sprache des ausländischen Partners. Tägliches Miteinander macht das Lernen leicht.

Hilfreich zur Seite standen die Betreuer, erfahrene Teams unter Leitung des jungen, liebenswürdigen und impulsiven Lehrers der Regens-Wagner-Schule, Steffen Peters, und seinem polnischen Pendant, Agnieszka Baron, als der verantwortlichen Betreuerin vom Zentrum „die Heilige Faustyna“ in Tychy.

Interessant ist, dass es für die deutschen Jugendlichen das erste Zusammentreffen mit Jugendlichen aus Polen überhaupt war. Und, die Erkenntnis, dass die Mädchen und Jungen aus Polen „auch nicht anders sind als wir“.

Die Begegnung endete mit dem feierlichen Abschluss des Kunstprojektes in Anwesenheit der Bezirksbürgermeisterin von Marzahn-Hellersdorf, Dagmar Pohle, dem Vorsitzenden des Kreisvorstandes der Arbeiterwohlfahrt, Horst Spitzer, der Geschäftsführerin des Landesjugendwerkes der AWO Berlin, Antje Krautmann und dem Vorstandsmitglied des Marzahn-Hellersdorfer Städtepartnerschaftsvereins, Dr. Jürgen Koch.

Gemeinsam statt einsam
Übergabe von Plakaten als Dokumentation der Jugend-begegnung an die beteiligten Gruppen durch Dr. Jürgen Koch Die Bezirksbürgermeisterin und der Vorsitzende des Kreisvorstandes der AWO inmitten der jugendlichen Teilnehmer/innen an der Deutsch-Polnischen Begegnung

Dagmar Pohle nutze die Gelegenheit zu einem Gespräch mit den Betreuer/innen-Teams und brachte mit der Würdigung der Ergebnisse der bilateralen Begegnung mental behinderter Jugendlicher gleichsam ihre Hoffnung zum Ausdruck, dass diese Form des Austausches, in der Konstellation der beteiligten Einrichtungen aus den Partnerstädten, ihre Fortsetzung findet.

Horst Spitzer als auch Dr. Jürgen Koch bedankten sich bei den Betreuern und verantwortlichen Mitarbeitern der urban-social gGmbH für ihr Engagement. Auch sie plädierten für neue Initiativen im Austausch jugendlicher Benachteiligter.

Hubert aus Dillingen ist derweil im Gespräch mit Ruta aus Tychy. Es soll der Anfang gewesen sein. Beiden, und mit ihnen insbesondere auch die Stadtverwaltung Tychy und vor allem Katarina und Anne vom dortigen Bürgeramt, schwebt für die künftige Zusammenarbeit schon ein Treffen mental behinderter Jugendlicher in Tychy und, in Folge, im Landschulheim Bliensbach, vor.

Anhang: Brief an Ilja Seifert (MdB) und Bekundungen von Jugendlichen aus Dillingen und Tychy zur Frage: „Was würdest Du ändern, wenn Du einen Tag „Chef“ in Deutschland/Polen wärst?“ (pdf, ca.520 kB)

Fotodokumentation als Plakat der Jugendbegegnung (pdf, ca. 300 kB)