Damals, als die Mauer fiel

Aus „Die Augsburger Allgemeine“ Online vom 07. November 2014

Geschichte

Im Lauinger Rathaus erinnert eine Ausstellung an die Wende vor 25 Jahren

Im Lauinger Rathaus wurde am Mittwochabend eine Ausstellung eröffnet. Sie erinnert an den Fall der Mauer vor 25 Jahren und die 15 Jahre anhaltende Städtepartnerschaft mit Marzahn-Hellersdorf. Von links: Horst Löser, Bürgermeister Wolfgang Schenk, Hubert Götz.

Foto: Bachmann

1987 besuchte eine Reisegruppe aus Lauingen eine Kneipe. Sie lag in Ost-Berlin, Stadtteil Köpenick, unweit des Bahnhofs. Die Besucher kamen mit dem Wirt ins Gespräch, man verstand sich gut, Freundschaften entstanden. Und die Freunde träumten zusammen – von einer Welt, in der es die deutsch-deutsche Grenze, die Mauer nicht mehr gab. In der sie sich gegenseitig besuchen konnten, in der sie jederzeit gemeinsam Fußball spielen konnten. 25 Jahre ist es her, seit dieser Traum in Erfüllung gegangen ist. Dem Mauerfall und dieser besonderen Freundschaft, aus der die Städtepartnerschaft mit Marzahn-Hellersdorf hervorgegangen ist, widmet die Stadt Lauingen in diesen Tagen eine Ausstellung im Foyer des historischen Rathauses. Am Mittwochabend wurde sie eröffnet.

Zu sehen sind auf den Stellwänden unter anderem Fotos – zum Beispiel vom Mauerbau. Aber auch von Arbeitern, die eben jenen Betonstreifen wieder abreißen. Bürgermeister Wolfgang Schenk beurteilte den Mauerfall in seinem Grußwort so: „Das ist aus meiner Sicht eines der größten Wunder der Weltgeschichte.“ Schließlich seien sich zuvor zwei Mächte gegenübergestanden, bei denen es keine andere Frage gegeben hätte als die, was man wohl tue, wenn der andere angreifen würde. Die Ausstellung richte sich auch an die jungen Menschen, die diese Zeit nicht erlebt, die Deutschland nur als ein Land kennengelernt hätten. Die Städtepartnerschaft zwischen Marzahn-Hellersdorf und Lauingen feiert heuer 15. Geburtstag. Sie sei von unten gewachsen, so Schenk: „Die Bilder zeigen, was für Spaß sie macht.“

Hubert Götz gehörte zu den Freunden der ersten Stunde. Auch er sagte, die Ausstellung sei gerade für junge Menschen wertvoll – bei Bedarf könne man gerne Gesprächspartner anbieten, die die DDR und die Wende miterlebt hätten: „Man kann da zeitgeschichtliche Projekte machen.“ Seines Wissens nach sei die Schau die einzige im Landkreis zum Mauerfall. Götz erinnerte sich an die Anfänge der Freundschaft und der Städtepartnerschaft und sagte: „Sie lebt nur weiter, wenn wir fair miteinander umgehen.“

Letzter Redner war Horst Löser aus Marzahn-Hellersdorf. Und der unterhielt die Besucher bestens mit seinen Anekdoten aus der DDR. Der Mauerfall, so meinte er mit einem Schmunzeln, habe den Geburtstag seiner Frau ruiniert. Denn die meisten Gäste seien am 10. November 1989 eben lieber rüber in den Westen gefahren, als mit ihr anzustoßen: „Die waren auf dem Kudamm.“ Er selbst sei erst später über die Grenze: am 11.11. um 11.11 Uhr.