Berlin ist immer eine Reise wert

Aus „Augsburger Allgemeine“ vom 27.7.2001

Zehntklässler des Albertus-Magnus-Gymnasiums besuchten die alte und neue Hauptstadt
Lauingen/Berlin (HL).

Angesichts der Wandlung von Berlin zur Bundeshauptstadt der alten und der neuen Länder gilt die Originalfassung des veralteten Werbespruchs mehr denn je. So starteten traditionsgemäß auch heuer wieder die 10. Klassen des Albertus-Gymnasiums Lauingen erwartungsfroh in die deutsche Hauptstadt. Der einwöchige Aufenthalt war drei Themen gewidmet: der Städtepartnerschaft zwischen Marzahn und Lauingen, der Geschichte des Dritten Reiches und der DDR-Vergangenheit sowie der Architektur und Kunst vergangener Epochen.
Am ersten Vormittag konnte man bei einer Stadtrundfahrt einen vorläufigen Einblick in die Stadtstruktur und die besonderen Sehenswürdigkeiten Berlins gewinnen. Unmittelbar danach gab es in Marzahn in der Karl-Schiller-Oberschule eine Einführung in die Geschichte der Städtepartnerschaft zwischen Lauingen und Marzahn, eines früheren Dorfes, das sich zur Hochhaussiedlung gewandelt hat. Der Blick von einem 22-stöckigen Wohnhaus und der Besuch einer echten Bockwindmühle mit einem richtigen Müller mitten im Neubaugebiet Marzahns waren echte Überraschungen. Die Mühle ist zum Wahrzeichen von Marzahn geworden, sie gehört zu den wenigen, die tatsächlich noch arbeiten und Mehl für die Bäckereien „nebenan“ produzieren.

Stätten des Grauens
Ein weiter ganzer Tag war der Bewältigung der jüngeren deutschen Geschichte gewidmet. Stätten des Grauens wie Berlin-Plötzensee, der Deportationsbahnhof Grunewald, von dem die systematischen Judentransporte in Konzentrationslager stattfanden – jeder einzelne Transport ist heute durch eine eiserne Gedenkplatte dokumentiert – und die Rosenstraße, einer Gedenkstätte, die heute zeigt, dass auch in einer Diktatur Widerstand möglich und erfolgreich war, berührten nicht wenige der Teilnehmer.
Am Nachmittag machte die Gruppe eine Führung durch die Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen mit. Dieser Ort ist aufs engste mit der politischen Strafverfolgung und der Justizwillkür der ehemaligen DDR verknüpft. Bekannt ist das sogenannte „U-Boot“, ein Gefängnistrakt. Er verfügte über Gummi-Dunkelzellen, in denen die Häftlinge besonderen Folterungen ausgesetzt wurden. Dem Führer, ein ehemaliger Insasse dieser Folteranstalt, steckte das Grauen heute noch im Leib.
Erbaulicher und auch weniger anstrengend war der Aufenthalt in Potsdam. Zu groß ist die Gesamtanlage, um an einem Tag alles sehen zu können. Die Auswahl fiel infolgedessen auf das Neue Palais, einer Schlossanlage, die Friedrich II. nach dem Ende des Siebenjährigen Krieges errichten ließ. Eine Führung durch die Parkanlagen, vorbei am Chinesischen Teehaus zum Schloss Sanssouci mit dem von der Großzügigkeit damaliger Schloss- und Gartenarchitektur. Anschließend blieb noch genügend Zeit, um den Stadtkern von Potsdam zu erkunden.

Im Pergamonmuseum
Am letzten Tag der Studienreise war eine Besuch im Pergamonmuseum auf der Museumsinsel eingeplant. In einer Führung wurde den Schülern die griechische und babylonische Antike etwas näher gebracht. Natürlich genoss die Gruppe den Blick von der Kuppel des Reichstags und auch vom Fernsehturm am Alexanderplatz auf die ungeheure Weite der Stadt. Die Abende waren mit diversen Veranstaltungen ausgefüllt, Zeit für den privaten Bummel gab es am Freitagnachmittag. Am Samstag schließlich wieder zurück in die alte Heimat, gestärkt mit vielen neuen Eindrücken, die noch aufgearbeitet werden müssen oder auch eines Tages durch eigene Inititiativen erweitert werden.